[Rezensionsexemplar] Lied der Weite

Vielen Dank an Diogenes für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Infos zum Buch

von Kent Haruf
Erschienen 12. Januar 2018
Ebook 373 Seiten
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-07017-0

Inhalt

Victoria, siebzehn und schwanger, wird von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt. Da überredet ihre Lehrerin Maggie die Brüder McPheron, zwei alte Viehzüchter, das Mädchen bei sich aufzunehmen. Ein erst widerwilliger Akt der Güte, der das Leben von sieben Menschen in der Kleinstadt Holt in Colorado umkrempelt und verwandelt.
Bild- und Textquelle: Diogenes

Gestaltung

Die Schlichtheit der Diogenes-Cover kennt vermutlich jeder. Hier sticht jedoch das Gemälde besonderes heraus finde ich. Meiner Meinung nach würde es sich auch gut in einem Museum oder an einer großen, weißen Wand machen, so dass sich die Farben frei entfalten können. Tatsächlich hat mich hier das Cover auch am ehesten begeistert und für die Geschichte empfänglich gemacht.

Ich bin mir gerade nicht schlüssig ob der nächste Punkt unter Gestaltung fällt oder nicht. Es hat mich massiv gestört, dass es keine Gänsefüßchen in dem Buch gab. Jede wörtliche Rede sieht aus wie ein normaler Satz. Mich hat das sehr aus dem Konzept gebracht und ich konnte mich wirklich überhaupt nicht daran gewöhnen. Selbst auf den letzten Seiten hat es mich noch aus meinem Lesefluss geworfen. Ob das nun als Kunstgriff gilt oder so vom Autor gewünscht/vorgegeben war, weiß ich nicht, mich hat es aber definitiv gestört.

Setting

Das ganze Buch spielt im einer Gegend, die ich als mittlerer Weste der USA in den 1960er Jahren bezeichnen würde. Man kann förmlich das Steppengras durchs Buch rollen hören. Nicht etwa weil die Geschichte langweilig wäre, im Gegenteil, dem Autor ist es einfach so unglaublich gut gelungen das Setting dieses Buch in Worten zu beschreiben. Die Welt scheint so klein und eng, obwohl es auch schon zu dieser Zeit durchaus Möglichkeiten gab, zumindest kleine. Victoria wird von ihrer Mutter auf die Straße gesetzt und von einer Lehrerin auf den Hof der McPheron-Brüder gebracht, wo sie leben soll. All das scheint in der heutigen Zeit vielleicht etwas surreal und doch wirkt die Geschichte aktuell. Es gibt auch heute noch viele junge Mädchen die so ihr Zuhause verlieren und keine Unterstützung erhalten. Das Leben der Menschen ist noch nicht vom Internet, Fernsehen oder sonst irgendwelchen Medien geprägt. Sie treffen sich ausgiebig in Pubs, gehen zusammen tanzen und haben einen ganz anderen Lebensstil als wir heute. Kent Haruf hat diesen Lebensstil so erzählt, als stünde man direkt zwischen seinen Figuren. Zu keinem Moment im Buch hatte ich nicht das Gefühl teil davon zu sein, habe die weiten Felder vor meinem inneren Auge gesehen und die leeren Straßen.

Figuren & Veränderungen

In Das Lied der Weite gibt es eine Menge Figuren, die viel Veränderung mit sich bringen. Allen vorneweg ist da natürlich Victoria, die das Leben einiger Bewohner der kleinen Stadt definitiv auf den Kopf stellt. Als sie von ihrer Mutter aus dem Haus geworfen wird, flüchtet sie völlig hilflos zu ihrer Lehrerin Maggie Jones, diese sorgt dafür, dass Victoria bei den McPherons-Brüdern unterkommt und ein Dach über dem Kopf hat.

Victoria ist ein ruhiges und schüchternes Mädchen. Die Zurückweisung ihrer Mutter lastet durchaus auf ihr, aber sie ist sich bezüglich ihrer Entscheidung sehr sicher. Diese Ruhe und Gelassenheit hatte ich von ihr ehrlich nicht erwartet und sie überrascht mich immer noch. Allerdings hat sie auch auf mich sehr beruhigend gewirkt, was ich noch weniger erwartet hatte.

Auch die anderen Figuren des Buches konnten mich begeistern. Maggie Jones ist eine fantastische Lehrerin und hat meiner Meinung nach sehr bewundernswert auf die ganze Situation reagiert. Tom Guthrie, ein weiterer Lehrer an Victorias Schule hat ordentlich mit seinem Leben zu kämpfen. Seine Frau hat ihn verlassen und ihn und seine beiden Söhne in der Kleinstadt zurückgelassen. Bewunderswert fand ich es, dass er es nie in Frage gestellt hat, dass seine Söhne bei ihm bleiben. Er hat stets die volle Verantwortung übernommen.

Ähnlich ging es mir auch mit den McPheron-Brüdern. Sobald sie Victoria in ihre Herzen geschlossen hatten, gab es für sie kein Wenn und Aber mehr. Ihre Bereitschaft Victoria so einfach in ihr Leben zu lassen hat mich sehr gerührt und beschreibt für mich das gesamte Buch wunderbar.

Fazit

Das Lied der Weite hat alle meine Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen. Die Geschichte ist wirklich etwas besonderes und der Schreibstil der Autor war insgesamt auch sehr angenehm. Hätte mich die Sache mit den Wörtlichen Reden nicht jedes Mal so aus dem Konzept geworfen, wäre das Buch ein absoluter Traum. Vielleicht bin ich auch zu streng. Inhaltlich hat es mich definitiv überzeugt und ich kann es jedem nur empfehlen.

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Ein Gedanke zu “[Rezensionsexemplar] Lied der Weite

  1. Liebe Marion,
    das mit der wörtlichen Rede, die nicht gekennzeichnet wird, hätte mich vermutlich auch aus dem Konzept gebracht beim Lesen 😀 Kann das also gut nachvollziehen.
    Dennoch hast du mich mit deiner Rezension sehr neugierig auf die Geschichte gemacht. 🙂

    Liebe Grüße,
    Nicci

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