[Rezensionsexemplar] Spinster Girls – Was ist schon normal?

Infos zum Buch

von Holly Bourne
Erschienen 20. Juli 2018
Taschenbuch 416 Seiten
Verlag dtv
ISBN 978-3-423-71801-1

Inhalt

Wir sind stark, wir lassen uns nichts sagen und küssen trotzdem. Wir sind die Spinster Girls!
Alles, was Evie will, ist normal zu sein. Und sie ist schon ziemlich nah dran, denn immerhin geht sie wieder zur Schule, auf Partys und hat sogar ein Date. Letzteres entpuppt sich zwar als absolutes Desaster, dafür aber lernt sie dadurch Amber und Lottie kennen, mit denen sie den Spinster Club gründet. Doch schafft sie es auch, mit ihren neuen Freundinnen über ihre Krankheit zu sprechen?

Bild- und Textquelle: dtv

Gestaltung

Mir gefällt die Gestaltung sehr gut. Die dunklen Cover sind ein absoluter Blickfang, noch dazu mit dem Auge, das einen ja wirklich direkt anzusehen scheint. Ich fand es auch besonders schön, dass die Cover gezeichnet sind und wirklich ein gewisses Teenager-Gefühl vermitteln, so genau kann ich das auch überhaupt nicht ausdrücken.

Schön finde ich auch, dass Evies „Gedanken“, die sie von ihrer Krankheit in den Kopf gepflanzt bekommt, immer in Kursiv geschrieben wurden und so deutlich hervorstachen.

Evie, Lottie und Amber

Ein äußerst faszinierend, wenn auch etwas klischeehaftes Trio. Evie ist die Protagonistin dieses Buches. Sie hat ein ziemlich komplexes Krankheitsbild und befindet sich gerade wieder auf dem Weg der Besserung. Durch die Angsstörung und ihre Zwangsstörung hat sie ziemlich viel ihrer letzten beiden Jahre verpasst und kommt nun nur langsam wieder auf die Beine. Das Buch beginnt damit, das Evies Medikamente reduziert werden, was ja immer ein durchaus kritischer Punkt sein kann. Durch Zufall trifft sie bei einer Party auf Lottie und Amber.

Lottie ist eine sehr aufgeweckte und furchtbar aufgedrehte Person. Selbst beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, sie würde mich durch die Seiten anbrüllen und immer besonders laut sprechen. Sie steht gerne im Mittelpunkt und hat großes mit ihrem Leben vor. Ich finde es stellenweise durchaus gut, dass sie sehr reflektiert darüber nachdenkt, dass sie ja, im Gegensatz zu einem Jungen, schnell als Schlampe abgestempelt wird, weil sie schon mehr als zwei oder drei Beziehungen hatte. Lottie macht auf mich einen unglaublich durchsetzungsstarken Eindruck, sie kämpft bis zum letzten für ihre Freunde.

Amber wird hauptsächlich über ihr Aussehen definiert. Sie beschreibt sich selbst als sehr groß und durch ihre roten Haare wurde sie dazu geboren, um auffallend zu sein. Das begeistert sie aber nicht immer so sehr, wie man vielleicht meinen mag. Im Gegensatz zu Lottie ist sie wesentlich ruhiger und entspannter, bildet also einen deutlichen Gegenpool.

Was mir insgesamt weniger gefallen hat war die Darstellung der Jungs in diesem Buch und auch Jane fand ich ziemlich enttäuschend.
Sie hat als einzige einen Freund und ich muss zugeben, dass dieser ihre Persönlichkeit schon sehr ein nimmt. Jane war lange Evies einzige Freundin und lässt sie zu Beginn des Buches auch ganz schön hängen, eben weil sie einen neuen Freund hat. Trotzdem finde ich es sehr schade, wie herablassend die Mädchen sie im weiteren Verlauf des Buches behandeln. Ich hätte mir von der Autorin einen etwas besser durchdachte Handlungsweise gewünscht.

Kommen wir nun zu dem männlichen Figuren-Anteil. Dieser bestand, leider sehr klischeehaft, beinahe nur aus Badboys. Joel, Ethan und auch Guy können sich nicht sonderlich mit Rum bekleckern. Ich finde es sehr schade, dass hier kein differenzierter Umgang gewählt wurde. Die Welt besteht nicht nur aus Idioten, sondern da ist noch viel mehr. Noch schwieriger finde ich die völlige Selbstverständlichkeit, mit der es akzeptiert wird, dass die Jungs eben so sind.

Dann hätten wir da noch Oli. Ich möchte eigentlich nicht zu viel verraten, aber auch er hat so seine Problemchen. Das an sich ist alles nicht so schlimm, denn eigentlich ist er die einzige nette männliche Figur in dieser Geschichte. Hier fand ich eher Evie furchtbar und das war auch die Stelle, an der ich das Buch für längere Zeit weglegen musste. Evie erfährt etwas über Oli und kommt überhaupt nicht damit klar. Anstatt in Ruhe mit ihren Freundinnen darüber zu sprechen (Ja ich weiß, nicht zu viele Gespräche über Jungs, sonst besteht man den Bechdeltest nicht), betrinkt sie sich und zieht ziemlich fies über ihn her. Das ging in meinen Augen überhaupt nicht. Gefühlt hat sie sich auch nie richtig dafür entschuldigt und ich finde das wirklich unter aller Sau. Danach hatte ich persönlich lange Probleme damit, wieder eine gewissen Sympathie mit ihr zu empfinden.

Spinster Girls – Feminismus ist mehr als nur über Perioden zu sprechen

Im Laufe des Buches gründen die drei Mädchen einen Club der das Thema Feminismus behandeln soll. Sie möchten für ihre Rechte kämpfen und wollen, dass man ihre Stimmen hört.

Für mich bedeutet Feminismus vor allem Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Dazu gehört auch, dass ich als Frau mich nicht ständig verteidigen muss oder mir von Männern Dinge erklären lassen muss, die ich bereits kann, gleiche Bezahlung für alle sehe ich als etwas an, das selbstverständlich sein sollte. Gerade in Zeiten, in denen Männern genau so gut zuhause bleiben könnten, ist es kein Argument, warum man eine Frau nicht einstellen möchte. Außerdem finde ich es unmöglich eine „Pink“-Steuer bezahlen zu dürfen, nur weil ich weiblich bin, etwas, das ich mir nun wirklich nicht selbst aussuchen konnte. Ehe ich nun aber in einen kleinen Rant ausbreche, möchte ich sagen, das ich den Ansatz der Spinster Girls toll finde. Natürlich hatte ich mir an dieser Stelle etwas mehr erhofft und auch gewünscht, aber als Anfang finde ich es durchaus sehenswert. Ich hoffe sehr, dieser Aspekt wird in den folgenden Bänden noch etwas besser ausgebaut.

Zu Beginn wird einfach über sehr viel belangloses gesprochen. Man kann durchaus eine Entwicklung feststellen, aber ich hätte mir einen stärkeren Einstieg gewünscht.

“Everyone’s on the cliff edge of normal. Everyone finds life an utter nightmare sometimes, and there’s no ’normal‘ way of dealing with it… There is no normal, Evelyn.”
― Holly Bourne, Am I Normal Yet?
Manchmal hat mich durchaus auch die Sprache von Lottie, Amber und Evie gestört. Sie fluchen verdammt viel, benutzen durchaus vulgäre Ausdrücke und wundern sich dann vielleicht zu unrecht, warum niemand sie mit etwas mehr Respekt behandelt. Ich selbst fluche nicht viel  und versuche es mir wirklich abzugewöhnen. In Büchern mag ich das auch überhaupt nicht, denn irgendwie haben sie doch eine kleine Vorbildfunktion und ich denke einfach, es geht auch ohne.

Mental Health als wichtiges Thema

Mentale Gesundheit, ein schwieriges Thema. Ich selbst habe keine OCD so wie Evie. Weder Angststörung, noch Zwangstörung bestimmen mein Leben. Ich gehöre eher zu der Sorte Mensch bei der man einige Dinge noch als „seltsam“ abstufen kann. Aus diesem Grund kann ich nur sagen, dass für mich ihre Krankheit sehr gut und vorallem nachvollziehbar dargestellt wurde. Man gewinnt tiefe Einblicke und auch ein besseres Verständnis für das Thema.

Sowieso bin ich absolut dafür, wenn es mehr Bücher zur mentalen Gesundheit gibt. Es passiert einfach viel zu oft, das Menschen die darunter leiden nicht ernstgenommen werden. Zumal es ja immer noch nicht so einfach ist, sich Hilfe zu holen und man auch erst einmal an den Punkt gelangen muss, an dem man sieht, das man wirklich Hilfe braucht. Mir persönlich haben gerade die Szenen mit Evies Therapeutin sehr gut gefallen. Ich denke sie könnten vielen die Angst nehmen. Die Ansätze von Sarah, der Therapeutin fand ich nämlich toll und werde vielleicht das eine ode andere für mich auch einmal ausprobieren.

ABER und nun kommt ein Punkt, der relativ zum Ende hin erst aufkam. Evie fragt sich, was sie tun muss, um endlich normal zu sein. Sie ist an diesem Punkt in keinem guten Zustand, das ist mir klar. Dadurch redet sie sich selbst ein, dass sie normal werden würde, wenn sie mit einem Jungen schläft. Mich hat das selbst sehr aufgewühlt. Liebe oder auch Sex kann Probleme nicht lösen, einen Menschen nicht heilen und auch nicht verändern. Liebe kann unterstützend sein oder ein Ansporn, aber es ist NIEMALS eine Heilung. Eher kann es noch so kommen, dass sie einen weiter an den Abgrund treibt, weil man ständig zweifelt und sich noch mehr Gedanken macht. Ich fand diese Stelle sehr problematisch und im Nachhinein zu wenig aufgeklärt. Es wird meiner Meinung nach nicht deutlich genug, dass so das Konzept von mentalen Erkrankungen und deren Heilung nicht funktioniert.

Fazit

Es sollte mehr über psychische Gesundheit bzw. Krankheiten gesprochen und geschrieben werden, allein deswegen bin ich durchaus ein Fan dieses Buches. Trotzdem gab es den einen oder anderen Punkt der mir nicht so gefallen hat oder mir sogar sauer aufgestoßen ist. Das Buch ist ein guter Anfang und ich denke es ist trotz der Sprache durchaus für jüngere Leser geeignet, da es sensibilsiert und Probleme ins Rampenlicht rückt die oft vergessen werden. Dabei ist es aber nicht so offensiv, sondern die Autorin verpackt es in einen lustigen und sehr angenehmen Schreibstil. Ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen.

Von mir gibt es vier von fünf Monstern für den guten Start dieser Reihe. Ich hoffe sehr, dass sich die beiden folgenden Bände noch steigern und freue mich schon darauf sie bald lesen zu können.

Vielen Dank an dtv und besonders Belle von Stehlblüten für das Rezensionsexemplar.

Eine weitere tolle Rezension findet ihr hier:
Stehlblüten
Sarah Ricchizzi
Nightingale Blog
Kill Monotony
Reading Far Away
Letterheart

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6 Gedanken zu “[Rezensionsexemplar] Spinster Girls – Was ist schon normal?

  1. Pingback: Booktalk: Was ist schon normal – Spinster Girls | Holly Bourne – Sarah Ricchizzi

  2. Liebe Marion,
    ich warte aktuell noch auf das Buch (bekomme es von einer Bloggerin, die es zwei Mal bekam) und bin schon sehr gespannt drauf.
    Auch Sarah hatte ein paar Kritikpunkte, ebenso Jill.
    Wenn ich es gelesen habe lese ich mir eure Beiträge ausführlich durch, habe deinen auch nur überflogen.
    Ich bin schon sehr neugierig, wie ich es finden werde..

    Liebe Grüße,
    Nicci

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