54 Minuten

Infos zum Buch

von Marieke Nijkamp
Originaltitel This Is Where It Ends
Erschienen 21. September 2017
Taschenbuch 320 Seiten
Verlag FJB
ISBN 978-3-8414-4016-7
Preis 14,99 € (Taschenbuch)

Inhalt

54 Minuten, die alles zerstören

Es passiert nicht viel im verschlafenen Opportunity, Alabama. Wie immer hält die Direktorin in der Aula der Highschool ihre Begrüßungsrede zum neuen Schulhalbjahr. Es ist dieselbe Ansprache wie in jedem Schulhalbjahr. Währenddessen sind zwei Schüler in das Büro der Schulleitung geschlichen, um Akten zu lesen. Draußen auf dem Sportgelände trainieren fünf Schüler und ihr Coach auf der Laufbahn für die neue Leichtathletiksaison. Wie immer ist die Rede der Dirketorin exakt um zehn Uhr zu Ende. Aber heute ist alles anders.

Als Schüler und Lehrer die Aula verlassen wollen, kann man die Türen nicht mehr öffnen. Einer beginnt zu schießen.
Tyler greift seine Schule an und macht alle fertig, die ihm unrecht getan haben.
Aus der Sicht von vier Jugendlichen entfaltet sich der Amoklauf, bis die letzte Kugel verschossen ist.
Bild- und Textquelle: FJB

Cover

Ich finde das Cover sehr eindrucksvoll. Man kann so unglaublich viel daraus lesen und auch hineininterpretieren. Für das Buch ist es perfekt gewählt und ich finde es sticht in seiner Schlichtheit aus der Masse hervor. Mich hat es auch direkt angesprochen und neugierig gemacht auf mehr.

Meine Meinung

Wow! Mehr fällt mir im ersten Moment dazu nicht ein. Ein Amoklauf ist etwas furchtbar grausames, darüber müssen wir gar nicht mehr sprechen, das ist allen klar. Die Autorin erzählt hier aus der Perspektive von vier Jugendlichen, die alle auf die Highschool in Opportunity, Alabama gehen.

Claire, Autumn, Tomás und Sylv sind gefangen von der Angst, die sie überfällt, als der erste Schuss fällt. Sie alle haben unterschiedliche Beziehungen zu Tyler, dem Amokläufer. Während einer Rede der Schulleiterin schließt er die Türen zur Aula ab und genau um 10:05 gibt er seinen ersten Schuss ab. Tyler ist wieder da.

54 Minuten dauert es, bis er gestoppt werden kann.

Beinahe im Minutentakt wird berichtet, was Claire, Autumn, Tomás und Sylv erleben. In jeder Zeitspanne wird aus allen vier Charakterstandpunkten beschrieben was passiert und was jeder erlebt. Es ist unglaublich in welch kurzer Zeit sich das Leben von so vielen Menschen so drastisch ändern kann.  Das Buch besticht durch eine schokierende Ehrlichkeit und es schien mir stellenweise etwas distanziert, allerdings auf eine positive Weise. Als würde man hinter einer Glasscheibe stehen und alles nur beobachten.

Obwohl mich das Thema emotional wirklich mitgenommen habe und ich die letzten Tage immer wieder darüber nachgedacht habe, fällt es mir noch immer schwer zu beschreiben, was ich beim Lesen gefühlt habe. In den letzten Jahren gab es auch in Deutschland immer wieder Amokläufe an Schulen und ich kann von Glück sagen, dass ich bis jetzt immer gut davon gekommen bin. Vor einigen Jahren gab es einen Amoklauf an einer Schule ganz in der Nähe von meiner eigenen und letztes Jahr war ich nur wenige Stunden vor dem Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum in München an genau dieser Haltestelle. Freunde von mir waren währenddessen auf dem Tollwood und meine alte Berufsschule liegt nur eine Querstraße entfernt. Ich kann mich noch gut an das Gefühl erinnern, als ich die Nachricht von meinem Bruder erhielt, in der er mich gefragt hat, ob es mir gut gehe und ob ich zuhause wäre. Zu diesem Zeitpunkt war ich sicher in meiner Wohnung und wusste gar nicht was los war. Gerade treibt es mir auch etwas die Tränen in die Augen, wenn ich nur an diesen Tag denke. Ich habe sofort all meinen Freunden und Verwandten Bescheid gegeben, dass es mir gut geht. Ich habe meine Eltern und Großeltern angerufen und ihnen versichert, dass ich in Sicherheit bin. Ich weiß noch wie es sich angefühlt hat, als die unglaublich viele Polizeiautos an meiner Wohnung vorbeigefahren sind, kann mich noch an die Angst erinnern, ob es allen gut geht. Ich kann mich noch genau an die unzähligen Nachrichten erinnern, die ich während dieser Stunden getippt habe.

Auch die Nachwirkungen waren für mich heftig. Am nächsten Tag war ich beim Treffen einer Community, die Stadt war wie ausgestorben. Circa eine Woche später bin ich nach Wacken auf das Open Air Festival gefahren und bei all dem hatte ich einen seltsames Gefühl, obwohl ich nicht wirklich dabei war. Monate lang konnte ich nicht mehr in dieses Einkaufscenter und selbst ein Jahr später gehe ich nicht gerne dort hin und vermeide es meistens. Ich hab es nur „aus der Ferne“ mit bekommen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es den Menschen geht, die das Live miterlebt haben.

Marieke Nijkamp hat es geschafft, genau diese Gefühle mit Worten zu transportieren. Sie schreibt klar und ohne das Geschehen auszuschmücken. Ihr Schreibstil macht die Geschichte unglaublich real. Sie beschönigt nichts und führt den Leser ohne Umwege durch die Geschichte. Mich hat das Buch auf seine brutal und grausam ehrliche Art und Weise begeistert. Es gibt kein unnötiges Drama, keine heroischen Helden sondern nur mutige Lehrer und Schüler die versuchen einander zu beschützen.

Von mir erhält dieses Buch volle fünf Monster. Es hat mich gefesselt und vor allem tief berührt. Der Schreibstil hat mir ausgesprochen gut gefallen. Meiner Meinung nach behandelt das Buch ein wichtiges Thema auf eine verständliche Weise. Ich kann es jedem von Herzen empfehlen. Vielleicht ist es nichts für schwache Nerven, aber ich finde es wichtig, dass es gelesen wird!

 

Vielen Dank an FJB für das Leseexemplar!

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2 Gedanken zu “54 Minuten

  1. Uff… Das darf ich gar nicht lesen, sonst schick ich meinen Großen gar nicht mehr in die Schule.
    Da gibt es einen Jungen, der ihn ständig tyrannisiert und der auch gerne mal mit einer Axt auf dem Spielplatz auftaucht. Ich möchte gar dran denken was passiert, wenn der die mal mit in die Schule nimmt.

    Gefällt mir

    • Das sind natürlich keine schönen Gedanken. Allerdings gibt es so vieles, das schief gehen kann und wo was passieren kann, daher denke ich, man sollte sich nicht verrückt machen. Trotzdem würde ich die Situation bei dir nicht aus den Augen verlieren. Das Buch selbst ist sicher nichts für schwache Nerven. Mich hat es auch ziemlich fertig gemacht.

      Gefällt 1 Person

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